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Die Bedeutung von Pflanzenkohle wächst in Österreich. Mit unserem 1. Branchenvernetzungstreffen haben wir Akteurinnen und Akteure aus Produktion, Anwendung und Forschung zusammengebracht. Ziel war es, sichtbar zu machen, wo wir als Branche stehen, welche Themen uns bewegen und welche Bedürfnisse daraus erkennbar werden. Darauf aufbauend gibt es im März ein zweites Treffen, bei dem wir die offenen Themen vertiefen und klären, welche nächsten Schritte für die Branche notwendig sind.

Anmeldung 2. Branchenvernetzungstreffen Biochar

Rückblick 1. Branchenvernetzungstreffen Biochar

Mentimeter-Umfrage

Die Antworten waren sehr breit: genannt wurden Betreiber, Produzenten, Anlagenbauer, Landwirtschaft, holzbasierte Stoffströme, Bau-, Boden- und Energiebereiche sowie Forschung. Einige haben die Branche bewusst offen gefasst und alle mitgedacht, die Biochar herstellen, anwenden oder in den Stoffströmen dahinter eine Rolle spielen.

Insgesamt ergibt sich ein offenes Bild ohne klare Grenzen. Die Branche wird nicht eng gezogen, sondern entlang ihrer realen Berührungspunkte verstanden – von Rohstoff bis Anwendung.

Ziele der Branche – Zusammenfassung der 1/3/5-Jahres-Perspektive

1 Jahr – Ergebnisse schaffen und Grundlagen legen
Im kurzen Zeithorizont geht es um konkrete Schritte: Anlagen verkaufen, Projekte begleiten, Stoffströme erfassen und erste Anwendungen prüfen. Sichtbarkeit in Landwirtschaft, Bau und Politik spielt eine große Rolle. Die Ziele sind operativ und zeigen den Bedarf, schnell verwertbare Ergebnisse zu liefern.

3 Jahre – Systeme stabilisieren und Rahmen festigen
Mittelfristig verschiebt sich der Fokus auf Funktionsfähigkeit: verlässliche Rohstoffpfade, klare Regulierung, funktionierende Anlagen, definierte Anwendungen und erste belastbare Referenzen. Die Branche möchte aus dem Projektmodus herauskommen und stabile Strukturen schaffen, die Technik, Rohstoffe und Anwendungen zuverlässig verbinden.

5 Jahre – Biochar etabliert sich als anerkannte Lösung
Langfristig stehen Anerkennung und Breitenanwendung im Vordergrund. Biochar soll in Landwirtschaft und Bau selbstverständlich einsetzbar sein, Wirkungsmodelle sollen klar definiert sein, politische Unterstützung und solide Regeln sollen Greenwashing verhindern. Die Vision reicht bis zu einem österreichischen Biochar-/Circular-Hub und einer breiten internationalen Nutzung.

Kurzfristig geht es darum, Projekte umzusetzen und erste Anwendungen sichtbar zu machen. Gleichzeitig braucht es verlässliche Abläufe, klare Regeln und stabile Rohstoffpfade, damit Biochar überhaupt zuverlässig eingesetzt werden kann. Langfristig soll Biochar dort ankommen, wo es einen echten Nutzen hat: in Landwirtschaft, Bau und weiteren Bereichen. Die Rückmeldungen zeigen damit einen klaren Weg: starten, festigen und Schritt für Schritt breiter einsetzen.

WORKSHOP 1: HERAUSFORDERUNGEN DER BRANCHE

Die Branche hat starkes Potenzial, braucht aber stabile Rahmenbedingungen, um Projekte effizient umsetzen zu können. Haupthemmnisse sind keine technischen Limits, sondern fehlende Klarheit, fehlende Märkte und fehlende Standards.

Rechtliche Orientierung fehlt: Biochar fällt gleichzeitig unter Klima, Landwirtschaft, Abfall, Energie und Bau. Dadurch entstehen unterschiedliche Behördenwege und keine einheitliche Einstufung. Zulassungen, Bodenanwendung, Baustoffintegration und Abfallende sind unsicher. Das führt zu langen Verfahren und schwer planbaren Projekten.

Markt ist noch nicht etabliert: Absatzmärkte entwickeln sich langsamer als die technische Entwicklung. In vielen Bereichen fehlen ausreichend erprobte Beispiele, die Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Prozessintegration nachvollziehbar machen. Solange Demonstrationsprojekte und betriebswirtschaftlich belastbare Modelle fehlen, bleibt die Nachfrage zurückhaltend.

CO₂-Senken nicht abgesichert: Die Rolle als dauerhafte Senke ist zentral, aber die Regeln dazu sind noch nicht klar genug. Es fehlt an verlässlichen Vorgaben, wie Senken nachgewiesen, bewertet und zertifiziert werden. Dadurch können Banken und Förderstellen Projekte schwer einschätzen, und die wirtschaftliche Planung bleibt unsicher, was  Investitionen bremst.

Qualität und Rohstoffvariabilität: Inputmaterialien sind sehr unterschiedlich und nicht ausreichend charakterisiert. Unterschiede zwischen Rohstoff und Biocharqualität sind unklar kommuniziert. Anwender brauchen reproduzierbare Qualität und verlässliche Standards in relevanten Mengen.

Wirtschaftlichkeit bleibt schwierig: Kosten stehen potenziellen Erlösen oft gegenüber, ohne dass der Nutzen klar quantifizierbar ist. Betriebswirtschaftliche Modelle fehlen, der €/t-Wert ist schwer einzuordnen. Ohne stabile Märkte kann die Branche kaum skalieren.

Wissen ist nicht gebündelt: Es gibt viel Expertise, aber keine gemeinsame Faktenbasis. Begriffe, Prozesse und Erwartungen sind nicht abgestimmt. Behörden, Anwender und Produzenten arbeiten mit unterschiedlichen Informationsständen.

Praxisbelege fehlen: Es gibt zu wenige real getestete Anwendungen, die Wirkung, Kosten und Integration zeigen. Das hemmt Landwirtschaft, Bau und Industrie gleichermaßen.

Technologieentwicklung schneller als Regulierung: Pyrolyse-/Vergasungssysteme mit CCS sind vielversprechend, aber nicht marktreif, nicht normiert und nicht finanzierbar. Der regulatorische Rahmen hinkt deutlich hinter der technischen Entwicklung her.

Die Branche ist bereit, aber die Strukturen sind es nicht. Klarheit, Standards, Pilotprojekte und planbare Senkenregeln sind entscheidend, damit das bestehende Potenzial in der Praxis Wirkung entfaltet.

WORKSHOP 2: ERWARTUNGEN AN EINE INTERESSENSVERTRETUNG

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Bedarf nach einer zentralen Stelle, die Orientierung schafft, regulatorische Fragen klärt und die unterschiedlichen Perspektiven der Branche zusammenführt. Im Vordergrund steht nicht eine neue Struktur, sondern eine koordinierende Instanz, die vorhandenes Wissen, Akteure und Prozesse verbindet.

Regulatorische Einordnung: Die Branche erwartet Unterstützung bei Normung und Genehmigungsverfahren sowie bei der Klärung von Anforderungen an Anlagen, Produkte, Rohstoffe und Anwendungen. Harmonisierung von Qualitätskriterien und Schadstoffwerten sowie klare Informationen zu CO2 Zertifikaten gelten als entscheidend für Planungssicherheit.

Wissen und Information: Benötigt wird eine verlässliche Aufbereitung zu Produkteigenschaften, Wirkmechanismen und Einsatzmöglichkeiten. Formate für strukturierten Wissenstransfer, statistische Grundlagen und Darstellungen zu Wertschöpfung und Beschäftigung sollen Orientierung schaffen und Diskussionen versachlichen.

Politische Kommunikation: Für die politische Kommunikation braucht es eine professionelle Aufbereitung komplexer Inhalte für Politik und interessierte Öffentlichkeit. Ziel ist ein realistisches und konsistentes Bild der Branche, das Entscheidungen erleichtert und die Bedeutung von Biochar nachvollziehbar macht.

Vernetzung und Praxisbezug: Die Interessenvertretung soll Anlagenbesuche ermöglichen, Erstkontakte herstellen und Schnittstellen zu internationalen Organisationen sowie zu benachbarten Branchen managen. Gemeinsame Forschungsprojekte und der Zugang zu potenziellen Auftraggebern werden als wichtige Hebel gesehen.

Gemeinsame Linie: Die Branche braucht eine abgestimmte Begriffsgrundlage und eine konsistente Story, die unterschiedliche Positionen aus Landwirtschaft, Industrie und weiteren Anwendergruppen verbindet. Eine gemeinsame Sprache soll Missverständnisse reduzieren und die Sichtbarkeit der Branche stärken.

Organisatorische Rolle: Erwartet wird eine österreichische Anlaufstelle, die Interessen bündelt, politische Prozesse begleitet und Netzwerke stärkt. Dazu gehören Lobbyarbeit, Beobachtung gesetzlicher Entwicklungen und Ressourcen für Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen.

Die Branche wünscht sich eine integrierende Instanz, die Regulatorik erklärt, Wissen strukturiert, Vernetzung fördert und ein konsistentes, glaubwürdiges Bild der Biochar-Branche nach außen trägt.

WORKSHOP 3: BEITRÄGE UND RESSOURCEN DER BRANCHE

Die Branche bringt zentrale Bausteine mit, die für den Aufbau einer Interessenvertretung notwendig sind. Im Mittelpunkt stehen vier Säulen, die zusammenwirken müssen, um Orientierung, Marktöffnung und politische Anschlussfähigkeit zu ermöglichen.

Außenwirkung und Positionierung    
Akteure aus Produktion, Technologieentwicklung, Anlagenbau und großen Anwenderbranchen bringen ein Gewicht mit, das politische Sichtbarkeit schafft und Signalwirkung für Märkte entfaltet. Ihre Rolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Herstellung bis zur Anwendung – zeigt, dass Biochar in mehreren Sektoren anschlussfähig ist. Diese Außenwirkung ist eine Grundlage, um Biochar als wirtschaftlich relevantes Thema zu positionieren und die Nachfrage nach klaren Standards und Anwendungen sichtbar zu machen.

Wissen und Praxisbelege       
Die Gruppe verfügt über fachliche Expertise aus Forschung, Anlagenbetrieb und Anwendung. Dazu gehören Erfahrungen aus Referenzanlagen, Erkenntnisse zu Produkten und Prozessen sowie klare Anforderungen, die Anwender an Qualität, Mengen und Eigenschaften stellen. Forschungspartner wie BOKU, ÖBIKA und BEST können zusätzlich Daten, Bewertungen und methodische Grundlagen beisteuern. Dieses Zusammenspiel aus theoretischem Wissen und real getesteten Anwendungen ermöglicht eine fundierte Einordnung von Chancen, Grenzen und regulatorischen Anforderungen.

Netzwerke und Zugänge         
Genannt wurden bestehende Netzwerke in der Forschung und im Bereich Bioökonomie sowie Verbindungen zu unterschiedlichen Anwenderbranchen. Diese Kontakte schaffen Zugänge zu Projekten, Pilotanwendungen und potenziellen Partnern. Sie unterstützen dabei, Themen sichtbar zu machen, Kooperationen aufzubauen und neue Anwendungen in verschiedenen Sektoren zu verankern.

Zeit, Finanzierung und Investitionsbereitschaft       
Unser erstes Vernetzungstreffen hat gezeigt, dass die Biochar Branche bereit ist, Zeit und finanzielle Mittel einzubringen. Gleichzeitig muss diese Bereitschaft auf mehrere Schultern verteilt werden, damit eine gemeinsame Struktur im weiteren Verlauf dauerhaft tragfähig bleibt. Die Rückmeldungen im Workshop spiegeln diese Bereitschaft wider und zeigen, dass Kapazitäten und Ressourcen eingebracht werden können. Neben organisatorischem und finanziellem Engagement wurde Investitionsinteresse genannt, das, bei klaren Rahmenbedingungen, in Projekte oder Strukturen fließen kann. In der Theorie liegt damit eine Grundlage vor, auf der weitere Zusammenarbeit aufbauen kann.

Die Rückmeldungen aus unserem Branchenvernetzungstreffen Biochar zeigen, dass in der Branche bereits eine gemeinsame Grundlage vorhanden ist. Es gibt einen ähnlichen Blick auf die aktuellen Themen, einen klaren Wunsch nach Orientierung und erste Signale, dass Zeit, fachliche Beiträge oder finanzielle Mittel eingebracht werden können. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie breit das Feld ist. Produktion, Rohstoffpfade, Anwendung, Bau, Landwirtschaft, Forschung und Energie hängen eng zusammen und genau dieses Zusammenspiel macht eine abgestimmte Vorgehensweise notwendig.

Damit daraus mehr entstehen kann, braucht es Klarheit darüber, welche Beiträge realistisch eingebracht werden und wie Verantwortung verteilt wird. Erst dann lässt sich entscheiden, wie eine Interessenvertretung aussehen kann und wo sie sinnvoll verankert wäre.

Die Rückmeldungen geben eine klare Linie vor. Es geht darum, anzufangen, Abläufe und Schnittstellen zu ordnen und Biochar dort weiterzuentwickeln, wo es Wirkung hat. Im nächsten Treffen werden wir fachlich tiefer einsteigen und gemeinsam herausarbeiten, welche Themen und Bedürfnisse Priorität haben.

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